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Welche Unternehmen vom Energie- und Rohstoffbedarf der künstlichen Intelligenz profitieren könnten

Welche Unternehmen vom Energie- und Rohstoffbedarf der künstlichen Intelligenz profitieren könnten

Künstliche Intelligenz wird an den Kapitalmärkten meist über die sichtbarsten Gewinner erzählt. Dazu gehören große Chipunternehmen, Cloud-Anbieter und Softwareplattformen. Das ist nachvollziehbar. Schließlich stehen sie im Zentrum des Booms.

Doch wie bei vielen großen Technologiezyklen lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten.

Denn künstliche Intelligenz ist nicht nur ein Softwarethema. Sie ist auch ein Infrastrukturthema. Und Infrastruktur bedeutet in diesem Fall: Rechenzentren, Stromversorgung, Netzausbau, Kühlung, Industriemetalle und physische Lieferketten.

Im ersten Teil dieser Serie ging es um den steigenden Strombedarf der künstlichen Intelligenz. Im zweiten Teil stand die Frage im Mittelpunkt, welche Rohstoffe von dieser Entwicklung profitieren könnten. Im dritten Teil wird es nun konkreter: Welche börsennotierten Unternehmen könnten vom Energie- und Rohstoffbedarf der künstlichen Intelligenz profitieren?

Dabei geht es nicht um kurzfristige Kursfantasie. Es geht um eine strukturelle Perspektive. Wenn künstliche Intelligenz zu einer langfristigen Ausbauwelle bei Rechenzentren, Stromnetzen und Energieinfrastruktur führt, dann dürfte sich diese Entwicklung auch in bestimmten Geschäftsmodellen widerspiegeln.



Die erste Welle und die zweite Welle des AI-Booms

An den Märkten verlaufen große Trends oft in Etappen.

Die erste Welle ist meist offensichtlich. Beim Thema künstliche Intelligenz waren das vor allem:

  • Halbleiterunternehmen
  • Hyperscaler
  • Plattformunternehmen
  • Anbieter von AI-Software

Die zweite Welle ist häufig weniger sichtbar. Sie umfasst jene Unternehmen, die die physische Infrastruktur liefern, ohne selbst im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stehen.

Genau hier wird es für langfristige Investoren interessant.

Denn wenn sich die KI-Revolution nicht nur in Modellen und Anwendungen, sondern auch in realen Investitionen in Rechenzentren, Stromversorgung und Kühlung niederschlägt, dann profitieren nicht nur die bekannten Namen. Es profitieren auch Unternehmen, die Strom bereitstellen, Netze ausbauen, Kühlsysteme liefern oder von höherer Nachfrage nach Industriemetallen profitieren.

Mit anderen Worten: Die erste Welle erzählt die Geschichte der Technologie. Die zweite Welle erzählt die Geschichte der Infrastruktur.


Nvidia bleibt der zentrale Ausrüster des AI-Booms

Beginnen wir mit dem offensichtlichsten Namen: Nvidia.

Nvidia bleibt der zentrale Hardware-Gewinner der aktuellen AI-Welle. Die GPUs des Unternehmens bilden in vielen Rechenzentren das Rückgrat moderner KI-Infrastruktur. Ohne diese Hardware wären viele der aktuellen Fortschritte bei großen Sprachmodellen, Bildgenerierung oder AI-Training kaum denkbar.

Warum Nvidia auch im Kontext von Energie und Infrastruktur relevant ist, liegt auf der Hand: Je größer und leistungsfähiger AI-Modelle werden, desto mehr Rechenkapazität wird benötigt. Und je mehr Rechenkapazität aufgebaut wird, desto stärker wächst der Bedarf an Servern, Chips und Stromversorgung.

Nvidia ist damit nicht direkt ein Energie- oder Rohstoffunternehmen. Aber es bleibt der sichtbarste Hebel auf den Ausbau der physischen KI-Infrastruktur.

Für Investoren ist Nvidia dennoch ein Sonderfall. Das Unternehmen ist bereits als klarer Gewinner erkannt. Die Bewertung reflektiert einen großen Teil dieser Story. Gerade deshalb suchen viele Anleger inzwischen nach der zweiten Reihe der Profiteure.


Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta bauen die Rechenzentrumswelt

Die zweite zentrale Unternehmensgruppe sind die großen Hyperscaler:

  • Microsoft
  • Amazon
  • Alphabet
  • Meta Platforms

Diese Unternehmen bauen weltweit neue Rechenzentren, investieren in Cloud-Infrastruktur und sichern sich langfristige Energieverträge. Sie gehören damit zu den wichtigsten Nachfragern von Strom, Netzkapazität und technischer Infrastruktur.

Warum sie in diesem Artikel trotzdem erwähnt werden, obwohl sie keine klassischen Infrastruktur- oder Rohstoffwerte sind, ist einfach: Sie sind die Auslöser vieler Folgeinvestitionen.

Wenn Microsoft, Amazon oder Alphabet neue Kapazitäten in großem Stil ausbauen, entsteht im Hintergrund Nachfrage für:

  • Netzanschlüsse
  • Transformatoren
  • Kühlsysteme
  • Bauinfrastruktur
  • Stromlieferverträge
  • erneuerbare Energieprojekte

Meta gehört ebenfalls in diese Gruppe, weil das Unternehmen seine AI-Infrastruktur massiv ausbaut und damit zusätzlichen Druck auf Rechenkapazität und Stromversorgung erzeugt.

Diese Unternehmen sind also nicht nur direkte Gewinner des AI-Booms, sondern auch die Treiber für viele indirekte Profiteure.


Vertiv, Eaton und Schneider Electric liefern die stille Infrastruktur

Hier beginnt der Bereich, der für langfristige Investoren besonders interessant sein dürfte.

Unternehmen wie Vertiv, Eaton und Schneider Electric profitieren potenziell von genau jener Entwicklung, die in der öffentlichen Debatte oft untergeht.

Diese Unternehmen liefern zentrale Bausteine für Rechenzentren und Strominfrastruktur:

  • Stromverteilung
  • Energiemanagement
  • Kühlung
  • Notstromsysteme
  • Schaltschränke
  • technische Infrastruktur für kritische Systeme

Gerade Vertiv ist in diesem Zusammenhang ein interessanter Name, weil das Unternehmen stark auf Infrastruktur für Rechenzentren spezialisiert ist. Kühlsysteme, Stromversorgung und technische Ausrüstung werden umso wichtiger, je dichter und leistungsintensiver moderne AI-Rechenzentren werden.

Eaton profitiert vor allem vom Thema Strommanagement und Elektrifizierung. Wenn neue Rechenzentren entstehen, steigt auch der Bedarf an zuverlässiger Energieverteilung und Lastmanagement.

Schneider Electric ist ähnlich positioniert und verbindet Energiemanagement mit industrieller Automatisierung und Gebäudetechnik. Genau diese Kombination könnte im Zeitalter großer Rechenzentrumsinvestitionen wichtiger werden.

Diese Unternehmen sind keine spektakulären AI-Story-Aktien. Aber genau deshalb passen sie gut in einen langfristigen, strukturellen Investmentansatz.


Quanta Services und Hubbell als Profiteure des Netzausbaus

Noch interessanter als Stromversorger selbst könnten Unternehmen sein, die vom Ausbau der Stromnetze profitieren.

Denn neue Rechenzentren benötigen nicht nur Elektrizität. Sie brauchen:

  • Netzanschlüsse
  • Leitungen
  • Umspannwerke
  • Transformatoren
  • Stabilisierungskapazitäten

Hier kommen Namen wie Quanta Services und Hubbell ins Spiel.

Quanta Services ist stark in den Bereichen Energieinfrastruktur, Stromleitungen und Netzausbau positioniert. Wenn der Ausbau von Rechenzentren zusätzliche Investitionen in Netze und Übertragungsinfrastruktur auslöst, könnte das Unternehmen zu den indirekten Gewinnern gehören.

Hubbell liefert Produkte für elektrische Netze und Infrastruktur. Auch solche eher unscheinbaren Unternehmen profitieren häufig dann, wenn ein neuer Nachfragezyklus nicht in Software, sondern in realen Stromsystemen stattfindet.

Viele Investoren denken beim AI-Boom an Softwaremargen und Chipzyklen. Deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen jene Unternehmen, die das physische System im Hintergrund erweitern müssen.

Genau dort entstehen oft die interessanteren Second-Order-Effekte.


Stromversorger: NextEra, Constellation und Duke Energy

Ein Bereich, der durch den AI-Boom wieder stärker in den Fokus geraten könnte, sind Stromversorger.

Das klingt zunächst fast altmodisch. Gerade deshalb lohnt sich ein genauerer Blick.

Wenn Rechenzentren in bestimmten Regionen massiv ausgebaut werden, steigt dort die lokale Stromnachfrage deutlich. Unternehmen, die zuverlässig Strom liefern oder neue Kapazitäten aufbauen können, gewinnen dadurch strategische Bedeutung.

Interessant sind in diesem Zusammenhang unter anderem:

  • NextEra Energy
  • Constellation Energy
  • Duke Energy

NextEra Energy ist spannend, weil das Unternehmen stark im Bereich erneuerbare Energien und Strominfrastruktur positioniert ist. Wenn große Tech-Konzerne langfristige grüne Stromverträge suchen, kann das relevant werden.

Constellation Energy wird häufig im Zusammenhang mit verlässlicher Grundlast und nuklearer Stromerzeugung genannt. Gerade bei AI-Rechenzentren gewinnt die Frage an Bedeutung, woher konstante Strommengen kommen sollen.

Duke Energy ist ein Beispiel für einen klassischen großen Versorger, der von steigender Stromnachfrage in wachstumsstarken Regionen profitieren könnte.

Dabei geht es weniger darum, dass jeder Stromversorger automatisch ein AI-Gewinner ist. Es geht um ein Muster: Strom wird im digitalen Zeitalter wieder zu einem Standortfaktor.


Kupferproduzenten: Freeport-McMoRan, Southern Copper, Rio Tinto und BHP

Im zweiten Teil der Serie war Kupfer bereits der wichtigste Rohstoff. Im dritten Teil stellt sich die nächste logische Frage: Welche Unternehmen könnten davon profitieren?

Hier sind vor allem folgende Namen relevant:

  • Freeport-McMoRan
  • Southern Copper
  • Rio Tinto
  • BHP

Freeport-McMoRan gehört zu den bekanntesten reinen Kupferhebeln an den Kapitalmärkten. Wenn der AI-Boom zusätzliche Elektrifizierung und Netzinvestitionen auslöst, steigt mittelbar die Nachfrage nach Kupfer.

Southern Copper ist ebenfalls ein direkterer Hebel auf den Kupfermarkt und damit auf die Infrastrukturfrage hinter der künstlichen Intelligenz.

Rio Tinto und BHP sind breiter diversifizierte Rohstoffkonzerne, aber gerade deshalb interessant. Sie verbinden Exposure zu Industriemetallen mit größerer Stabilität und Kapitalstärke.

Wichtig ist dabei: Diese Unternehmen profitieren nicht ausschließlich von künstlicher Intelligenz. Der eigentliche Punkt ist die Überlagerung mehrerer Trends:

  • Elektromobilität
  • erneuerbare Energien
  • Stromnetzausbau
  • Industrieelektrifizierung
  • AI-Rechenzentren

Gerade diese Gleichzeitigkeit macht Kupfer so interessant. Wenn mehrere Nachfragewellen auf ein begrenztes Angebot treffen, entstehen strukturell attraktive Bedingungen für gut positionierte Produzenten.


Cameco und die Rückkehr der Kernenergie-These

Ein zweiter Rohstoffbereich, der im Zusammenhang mit AI zunehmend Aufmerksamkeit bekommt, ist Uran.

Hier ist vor allem Cameco ein naheliegender Name.

Die Investmentlogik dahinter ist indirekt, aber plausibel: Wenn Rechenzentren dauerhaft mehr Strom benötigen, steigt die Attraktivität verlässlicher Grundlastquellen. Kernenergie kann genau das liefern.

Je stärker die Diskussion um Versorgungssicherheit, Grundlast und stabilen Strombedarf durch Rechenzentren zunimmt, desto relevanter wird die Rolle von Uranproduzenten und nuklearer Infrastruktur.

Cameco ist deshalb für viele Investoren eine der direktesten Aktien, wenn sie an eine Renaissance der Kernenergie glauben.

Für Investoren ist das interessant, weil Uran lange als Nischenthema galt. Der AI-Boom könnte dieser Debatte eine neue strategische Dimension geben.


Trane Technologies, Carrier und Johnson Controls: Kühlung wird wichtiger

Ein weiterer Bereich, der selten im Mittelpunkt steht, sind Unternehmen, die Kühl- und Gebäudetechnik liefern.

Dazu gehören unter anderem:

  • Trane Technologies
  • Carrier Global
  • Johnson Controls

Gerade Kühlung wird in der AI-Welt immer wichtiger. Je leistungsfähiger die Chips werden, desto größer ist die Herausforderung, die entstehende Wärme effizient abzuführen.

Das macht entsprechende Unternehmen potenziell zu stillen Gewinnern des Trends.

Trane Technologies und Carrier profitieren von ihrer Kompetenz in industriellen Kühl- und Klimasystemen. Johnson Controls ist zusätzlich stark im Bereich Gebäudetechnik und technische Infrastruktur positioniert.

Auch hier zeigt sich ein bekanntes Muster: Die offensichtlichsten Profiteure werden früh entdeckt. Die funktional wichtigen, aber weniger sichtbaren Unternehmen folgen oft später.


Beispiele für Unternehmen, die Investoren beobachten könnten

Wenn man die AI-Infrastruktur nicht nur als Softwaretrend, sondern als physischen Investitionszyklus betrachtet, entsteht eine Watchlist aus mehreren Ebenen.

Direkte AI-Infrastruktur

  • Nvidia
  • Microsoft
  • Amazon
  • Alphabet
  • Meta Platforms

Rechenzentrum und Strommanagement

  • Vertiv
  • Eaton
  • Schneider Electric

Netzausbau und elektrische Infrastruktur

  • Quanta Services
  • Hubbell

Stromversorgung

  • NextEra Energy
  • Constellation Energy
  • Duke Energy

Kupfer und Industriemetalle

  • Freeport-McMoRan
  • Southern Copper
  • Rio Tinto
  • BHP

Kernenergie / Uran

  • Cameco

Kühlung und Gebäudetechnik

  • Trane Technologies
  • Carrier Global
  • Johnson Controls

Das heißt nicht, dass all diese Unternehmen automatisch gute Investments sind. Aber es sind Namen, bei denen sich der Zusammenhang zwischen AI-Boom und physischer Infrastruktur zumindest sauber herleiten lässt.


Worauf Investoren achten sollten

Nicht jedes Unternehmen, das in irgendeiner Weise mit Infrastruktur, Energie oder Rohstoffen verbunden ist, wird automatisch zum AI-Gewinner. Der Begriff wird inzwischen gerne breit verwendet, manchmal zu breit.

Deshalb lohnt sich ein nüchterner Filter.

Drei Fragen sind dabei besonders hilfreich:

Erstens: Hat das Unternehmen einen echten Bezug zum Ausbau von Rechenzentren, Stromversorgung oder Netzkapazität?
Nicht jede Industriefirma ist automatisch Teil der Story.

Zweitens: Ist die Nachfrage strukturell oder nur kurzfristig?
Ein einmaliger Auftrag ist etwas anderes als ein mehrjähriger Investitionszyklus.

Drittens: Ist der Effekt bereits vollständig in der Bewertung reflektiert?
Gerade offensichtliche Gewinner werden an der Börse oft schnell teuer.

Die spannendsten Second-Order-Gewinner liegen häufig dort, wo der Zusammenhang real ist, aber vom Markt noch nicht vollständig eingepreist wurde.


Fazit

Der AI-Boom wird meist über Technologieunternehmen erzählt. Doch unter der Oberfläche läuft eine zweite Geschichte: der Aufbau einer energieintensiven, rohstoffbasierten Infrastruktur.

Davon profitieren potenziell mehrere Unternehmensgruppen:

  • Chipunternehmen wie Nvidia
  • Cloud-Anbieter wie Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta
  • Infrastrukturwerte wie Vertiv, Eaton und Schneider Electric
  • Netz- und Elektrifizierungswerte wie Quanta Services und Hubbell
  • Stromversorger wie NextEra, Constellation und Duke Energy
  • Kupferproduzenten wie Freeport-McMoRan, Southern Copper, Rio Tinto und BHP
  • Uranwerte wie Cameco
  • Kühl- und Gebäudetechnik-Anbieter wie Trane, Carrier und Johnson Controls

Für Investoren entsteht daraus ein breiteres Bild.

Nicht jede AI-Chance liegt im Softwaresektor. Manche liegen dort, wo der Boom physisch sichtbar wird: in Stromleitungen, Kühlsystemen, Umspannwerken, Rechenzentren und Metallströmen.

Oder nüchterner gesagt: Hinter jeder digitalen Euphorie arbeitet irgendwann ein ziemlich analoges Geschäftsmodell.



Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden.